Als ich letztens unter diesen Erdbeerbäumen durchging, kam mir zwangsweise der Begriff “Low hanging fruits” in den Sinn. Diese Früchte hingen in allen Reifegraden im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah an den Bäumen. Man brauchte nur die Hand ausstrecken und schon hatte man sie! Und mindestens genau so viele lagen am Boden, mehrheitlich zermatscht, weil man gar nicht umherkam draufzutreten. Warum hat offenbar noch keiner diese Low Hanging Fruits der Erdbeerbäume geerntet und sich sofort in den Mund gesteckt? Nun, genau kann ich es nicht sagen, doch vielleicht deshalb, weil die wenigsten wissen, dass die Früchte des Erdbeerbaums essbar sind oder vielleicht auch deshalb, weil sie mitten in der Stadt standen.
Als ich dann nach einem Zitat oder Spruch für den heutigen Blogpost suchte, war ich überrascht, dass überhaupt nicht alle darauf abzielten die Low Hanging Fruits zu ernten! Damit hatte ich eigentlich gerechnet. Aber das machte es gleich nochmal so spannend. Victor Ghoshe beispielsweise sagte man soll sie herunterfallen und verrotten lassen und besser nach den Sternen greifen.
Let the low-hanging fruits fall off and rot...aim for the stars...!
Victor Ghoshe
Hmmm. Interessanter Ansatz. Soll man die so offensichtlich einfach zu erreichenden Ziele und Erträge einfach so ignorieren um weiterzugehen und nach größerem zu streben? Vielleicht sind die Früchte eines anderen Baumes in weiter Ferne ja viel reifer und süßer, wenngleich das mehr Anstrengung bedeutet?
Wann Low Hanging Fruits lohnenswert sind …
Ich persönlich denke definitiv nicht, dass es schlau ist die Low Hanging Fruits herunterfallen und am Boden verrotten zu lassen. Genau genommen halte ich es für ziemlich blöde und ignorant. Man vergibt sich nämlich nichts, wenn man die Gelegenheiten beim Schopf packt und die Früchte entlang des Weges erntet. Am Weg zum Ziel ist immer auch der Weg selbst ein Ziel. Der Weg zum Ziel will meistens in Etappen gegangen werden. Und wenn eine Etappe mal mit Low Hanging Fruits gesäumt ist, dann darf man diese schon ernten, mitnehmen und sich vor allem daran freuen. Es muss nicht immer alles schwierig und aufwändig sein, das lohnend ist! Auch einfach erreichte Teilerfolge sind Erfolge und solche Low Hanging Fruits mitzunehmen nährt üblicherweise unsere Motivation weiterzugehen und weiterzumachen.
… und wann nicht.
Schwierig mit den Low Hanging Fruits wird es erst dann, wenn die Früchte etwas zu süß schmecken. Wer nach dem ersten Naschen vom Erdbeerbaum anfängt im Zickzackkurs Erdbeerbäume zu jagen, weil die Früchte ach so verlockend schmecken, der läuft Gefahr nicht nur seinen eigentlichen Weg zu verlassen, sondern auch sein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren! Es kann ja eine ganze Zeit lang eine gute Ernte bringen, doch was wenn die tiefhängenden Früchte abgeerntet sind?

Spätestens jetzt sollte das Erwachen kommen, dass Low Hanging Fruits begrenzt sind. Doch wie oft fangen wir an die Bäume hochzuklettern um auch die nächste und übernächste Etage noch abzuernten, weil wir gerade nicht genug davon kriegen können und es ja gar nicht so viel Mehraufwand ist? Oftmals ohne, dass uns bewusst ist, dass wir wertvolle Zeit und Energie auf etwas verwenden, das uns den Stern nicht vom Himmel holen wird. Das Böse ist, dass wir dabei durchaus das Gefühl haben können, dass wir die Abkürzung gefunden haben, weil ja Früchte in der Baumkrone dem Stern doch etwas näher sind.
Doch das böse Erwachen wird kommen. Irgendwann wird der Baum nicht nur bis in die Spitze abgeerntet sein, sondern auch die Saison der Früchte zu Ende sein! Die logische Konsequenz ist, den Baum runterzuklettern zu müssen. Und am Boden der Tatsachen angekommen, wird man sich eingestehen müssen, dass die Früchte vielleicht verdammt gut geschmeckt haben, die wir schnell und ohne großen Aufwand eingesackt haben. Doch der Stern nach dem wir ursprünglich mal gegriffen haben, … der ist noch genau so weit weg. Die Zeit aber, die ist nicht stehen geblieben!
Das beste beider Welten
Einmal mehr zeigt sich also, dass das goldene Mittelmaß wohl der beste Weg ist. Low hanging fruits zu ernten und nach den Sternen zu greifen schließt sich nämlich nicht aus! Gönnt euch die Low Hanging Fruits, die auf eurem Weg liegen! Sie mit falschem Stolz verrotten zu lassen wäre glatte Verschwendung! Schnell und leicht erreichbare Erfolge als Etappenziele sind nicht schlecht. Ganz im Gegenteil, sie können uns den Weg zum Ziel richtiggehende versüßen und das weitergehen vereinfachen. Nur hütet euch davor, euch an die Low Hanging Fruits zu gewöhnen oder für sie Umwege zu gehen. Der Weg und das eigentliche Ziel müssen im Fokus bleiben. Denn wer würde nicht seinen ganz persönlichen Stern schnellstmöglich in vollem, strahlendem Glanz in Händen halten wollen, nach dem er gegriffen hat!?
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