Brennnessel in der Küche scheiden die Geister. Für mich persönlich sind sie aber vor allem im Frühling niemals wegzudenken. Kaum ein Wildkraut hat so viele Vorteile für uns Menschen wie diese Vertreterin, die sich beim Sammeln zugegebenermaßen schon recht unkooperativ zeigt.
Rosa Sirup aus grünen Blättern
Wenn man die ganz jungen Brennnesseln, die im Frühling noch rot überlaufen sind, sammelt, dann passiert beim Sirup-ansetzen etwas magisches. Denn man bekommt aus den grünen Blättern rosaroten Sirup! Warum das so ist? Wegen der Anthocyane! Noch nie gehört?

Gewissermaßen ist das der Sonnenschutz der Brennnessel. Wenn sie nämlich im Frühling durch die Erde kommt, ist es noch relativ kalt an der frischen Luft. Dementsprechend langsam ist der Stoffwechsel noch des kleinen Brennnesselchens. Zu gut Deutsch: sie kann noch gar nicht so viel Sonne verarbeiten wie – zumindest an manchen Tagen – vom Himmel lacht. Paradox, oder?
Chemie, Alchemie oder doch Magie?
Die einzige Chance der jungen Pflanze seine Blätter vor dem Verbrennen zu schützen ist, ist die Anthocyane ihren Job machen und darüber entscheiden zu lassen wie viel Sonnenenergie aufgenommen wird. Und wenn man eben die jungen Brennnessel ins Wasser gibt sorgen sie für lila gefärbte Flüssigkeit, gibt man (Zitronen)säure dazu – wie auch im Sirupansatz – dann bekommt man eben rosarote Flüssigkeit. Auch wenn es gut erklärbar ist warum man aus grünen Blättern rosaroten Sirup machen kann, fühlt es sich trotzdem wie ein bisschen Magie an was da in ganz von alleine in der Küche passiert.
Und so geht’s:
Junge Brennnessel sammeln und vollständig mit Wasser bedecken. Pro Liter Wasser 1 EL Zitronensäure zugeben und lose abgedeckt für 48 Stunden in der Küche stehen lassen. Dazwischen immer wieder mal umrühren.
- Den Ansatz durch ein Teesieb in einen Kochtopf gießen, die Blätter gut ausdrücken. Pro Liter Ansatz 1 kg Feinkristallzucker zugeben.
- Den Sirup aufkochen – immer wieder umrühren, damit sich der Zucker nicht am Boden absetzt und anlegt – und ein 2 – 3 Minuten sprudelnd kochen lassen.
- Den fertigen Sirup in saubere Flaschen abfüllen und am Kopf stehend auskühlen lassen.
- Die Brennnesselsirupflaschen beschriften und am besten mit kaltem, prickelnden Mineralwasser und ggf. einer Scheibe Zitrone trinken.

P.S. Derlei Selbstgemachtes erfreut sich auch beim Osterhasen großer Beliebtheit 😉
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